Universität Erlangen- Nürnberg, 2009
Einfluss eines adjuvanten EMS-
Trainings auf Körperzusammensetzung und
kardiale Risikofaktoren bei älteren Männern mit Metabolischem Syndrom.
Universität Erlangen-Nürnberg, 2009
Einfluss eines adjuvanten EMS-Trainings auf Körperzusammensetzung und
kardiale Risikofaktoren bei älteren Männern mit Metabolischem Syndrom
(KEMMLER, W. / BIRLAUF, A. / VON STENGEL, S., Universität Erlangen-Nürnberg 2009).

Untersuchungsziel:

Sarkopenie und (abdominale) Adipositas stehen mit Mortalität, Multimorbidität und
Gebrechlichkeit („frailty“) des älteren Menschen in enger Verbindung. Inwieweit ein
Ganzkörper-Elektromyostimulations-(WB-EMS)-Training Einfluss auf
Körperzusammensetzung und kardiale Risikofaktoren bei älteren Männern mit
Metabolischem Syndrom nehmen kann, war Ziel dieser Untersuchung.
Methodik
Insgesamt 28 Männer mit Metabolischem Syndrom gemäß IDF (69,4±2,8 Jahre)
aus der Umgebung von Erlangen wurden nach Randomisierung einer
Kontrollgruppe (KG: n = 14) oder einer WB-EMS-Gruppe (n = 14) zugeteilt. Das 14-
wöchige Trainingsregime der WB-EMS sah alle 5 Tage ein 30-minütiges Ausdauerund
Kraftprogramm unter EMS-Applikation vor. Die Kontrollgruppe führte parallel
ein Ganzkörpervibrations-Training mit dem Fokus „Steigerung der Beweglichkeit und
des Wohlbefindens“ durch. Als primäre Endpunkte wurden die abdominale und
Gesamtkörper-Fettmasse sowie die appendikuläre Skelettmuskelmasse (ASMM)
ausgewählt. Sekundäre Endpunkte waren Parameter des Metabolischen Syndroms
nach IDF (Taillenumfang, Glucose, Triglyzeride, HDL-Cholesterin, systolischer und
diastolischer Blutdruck).
Ergebnisse
Die Veränderung der abdominalen Fettmasse zeigte bei hoher Effektstärke (ES:
d`=1,33) signifikante Unterschiede (p = 0,004) zwischen WB-EMS und KG (-
252±196 g, p = 0,001 vs. -34±103 g, p = 0,330). Parallel dazu verringerte sich in
der WB-EMS-Gruppe das Gesamtkörperfett um -1350±876 g (p = 0,001) und in
der KG um -291±850 g (p = 0,307) (Unterschied: p = 0,008, ES: d` = 1,23). Die
ASMM zeigte ebenfalls signifikante Unterschiede (p = 0,024, ES: d` = 0,97)
zwischen EMS-Gruppe und Vibrations-Kontrollgruppe (249±444 g, p = 0,066 vs. –
298±638 g, p=,173). Mit der Ausnahme eines signifikanten
Zwischengruppenunterschiedes (p = 0,023, ES: d` = 1,10) für den Taillenumfang
(EMS: -5,2±1,8 cm, p = 0,001 vs. KG: -3,3±2,9 cm, p = 0,006) zeigten sich für die
Parameter des Metabolischen Syndroms (s.o.) keine weiteren Effekte.

Fazit:

Ein Ganzkörper-EMS-Training zeigt bei geringem Trainingsvolumen (ca. 45
min/Woche) und kurzer Interventionsdauer (14 Wochen) signifikante Effekte auf
die Körperzusammensetzung älterer Menschen. Bei Menschen mit geringer
kardialer und orthopädischer Belastbarkeit könnte somit WB-EMS eine
entsprechende Alternative zu konventionellen Trainingsprogrammen sein.
Universität Erlangen-Nürnberg, 2009
Effekt von Ganzkörper-Elektromyostimulation auf Ruheumsatz,
anthropometrische und muskuläre Parameter älterer Menschen. Der Training
und Elektromyostimulations Trial (TEST)
(KEMMLER, W. / BIRLAUF, A. / VON STENGEL, S., Universität Erlangen-Nürnberg 2009).

Untersuchungsziel:

Besonders bei Frauen kommt es nach der Menopause zu einer erheblichen
Veränderung der Körperzusammensetzung mit Erhöhung des abdominalen
Körperfetts und einer korrespondierenden Reduktion der Muskelmasse. Dieser
Entwicklung entgegen zu wirken, zeichnet sich als Alternative zu einem
konventionellen Muskeltraining mit geringer orthopädischer und kardialer Belastung
bei vergleichsweise niedrigem Trainingsvolumen derzeit das Ganzkörper-
Elektromyostimulationstraining (EMS) ab. Ziel der Pilotstudie war es, die Anwendbarund
Durchführbarkeit eines EMS-Trainings bei älteren Menschen zu erfassen, sowie
die Effektivität dieser Trainingsform auf anthropometrische, physiologische und
muskuläre Größen zu determinieren.
Methodik
30 postmenopausale Frauen mit langjähriger Trainingserfahrung wurden nach
Randomisierung auf eine Kontrollgruppe (KG: n = 15), die Ihr Training wie gewohnt
weiterführte, und eine EMS-Gruppe (n = 15), die zusätzlich zu dem zweimal
wöchentlichen Kraft- und Ausdauertraining alle 4 Tage ein 20-minütiges
Ganzkörper-EMS-Training absolvierte, zugeteilt. Neben Ruheumsatz und VO2
wurden die wichtigsten anthropometrischen Daten (Gewicht, Größe,
Körperfettanteil, Taillenumfang etc.) ermittelt
Ergebnisse
Der Ruheumsatz zeigte signifikante Reduktionen in der KG (-5,3%, p = 0,038) und
keine Veränderungen (-0,2 %, p = 0,991) in der EMS-Gruppe. Trotz mittlerer
Effektstärke (ES: 0,62) zeigten sich für diesen Parameter lediglich tendenzielle
Unterschiede zwischen EMS-Gruppe und KG (p = 0,065). Der Summenwert für die
Hautfaltendicke reduzierte sich in der EMS-Gruppe signifikant (p = 0,001) um 8,6 %
verglichen mit einer leichten, nicht signifikanten Zunahme in der Kontrollgruppe (1,4
%); ein Unterschied der sich als statistisch signifikant (p = 0,001, ES: 1,37) zeigte.
Der Taillenumfang als Kriterium der abdominalen Adipositas sank in der EMSGruppe
signifikant (p > 0,001) um -2,3 % (vs. KG: +1,0 %, p = 0,106) Der
korrespondierende Zwischengruppenunterschied fiel signifikant aus (p = 0,001, ES:
1,64).

Fazit:

Zusammenfassend zeigen sich neben gesundheits-relevanten Effekten auf die
Körperzusammensetzung auch Verbesserungen funktioneller Parameter wie
Maximalkraft und Schnellkraft. Darüber hinaus wurde eine hohe Akzeptanz des EMSTrainings
in diesem Kollektiv gut trainierter, postmenopausaler Frauen festgestellt,
so dass neben der Effektivität auch die Praktikabilität dieser Trainingsform gesichert
erscheint.
 
 
 
 
 
 
Herzklinik Bad Oeynhausen, 2010
Elektromyostimulation EMS bei kardiologischen Patienten. Wird das EMS-Training
bedeutsam für die Sekundärprävention?
(FRITZSCHE, D. / FRUEND, A. / SCHENK, S. / MELLWIG, K.-P. / KLEINÖDER, H. / GUMMERT, J. /
HORSTKOTTE, D., Herzklinik Bad Oeynhausen, Herz 2010; 35 (1): 34–40)

Untersuchungsziel:

Die Vorstellung, dass moderates Ausdauertraining im Rahmen der Sekundärprävention
die Prognose der chronischen Herzinsuffizienz (CHI) verbessert, wurde inzwischen
hinreichend validiert. In der klinischen Routine bleiben jedoch erfahrungsgemäß nur
wenige, gut geführte, hoch motivierte und zumeist jüngere Patienten einer dauerhaften
sportlichen Begleittherapie zugänglich. Die eigenen Erfahrungen mit Ganzkörper-
Elektromyostimulation (EMS) an herzinsuffizienten Patienten zeigen ein bislang nicht
erahntes Potential bei der Regeneration neurohumoraler, inflammatorischer und
skelettmuskulärer Krankheitssymptome im Rahmen der Systemerkrankung CHI. Vor
diesem Hintergrund wurden in einer prospektiven Pilotstudie Wirkung und Akzeptanz
der Ganzkörper-EMS bei Herzinsuffizienz-Patienten untersucht.
Methodik
15 Patienten mit gesicherter Diagnose CHI absolvierten ein 6-monatiges
Trainingsprogramm (Ganzkörper-EMS) . Als Stimulationsparameter wurden 80 Hz und
300 μs bei 4 s Impuls und 4 s Pause für 20 min Dauer definiert, gefolgt von einem
Cool-Down im 100-Hz-Bereich. Die Amplitude (mA) wurde von den Patienten selbst
gewählt, so dass die subjektive Empfindung „Muskelkontraktion/Stromempfinden“ auf
die Stufe 8 einer zehnstufigen Skala eingestellt wurde. Vorgabe waren 40–70
Wiederholungen im Hauptteil, mit Übungen in isometrischen Haltepositionen und
dynamischen Bewegungsausführungen. Untersucht wurden in Eingangstest und nach
jeweils 3 und 6 Monaten Training die kardiale Leistungsfähigkeit mittels
Spiroergometrie, Elektrokardiographie (EKG) und Echo; der metabolische Status
inklusive Kreatinkinase (CK) und Laktatdehydrogenase (LDH); außerdem wurden
Gewicht und Körperfettverteilung bestimmt (Impedanzwaage).
Ergebnisse
Eine bis zu 96%ige Steigerung der Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle
konnte nachgewiesen werden (VO2at 19,39 [± 5,3] ml/kg Körpergewicht [KG] vor
Trainingsbeginn; VO2at 24,25 [±6,34] ml/kg KG am Ende der Trainingsphase; p <
0,05). Der diastolische Blutdruck sank signifikant (psyst < 0,05; pdiast < 0,001),
der Muskelzuwachs betrug bis 14 % bei Gewichtskonstanz. Die Trainingsmethode
wurde zu 100 % akzeptiert (keine Abbrecher), die Patienten gaben eine deutlich
gesteigerte subjektive Leistungsfähigkeit an.
 
Fazit:

Die Untersuchung zeigt erstmalig die Wirkung von EMS-Training bei herzinsuffizienten
Patienten. Die Verbesserungen hinsichtlich der objektiven Leistungsfähigkeit sowie der
Optimierung muskelphysiologischer und metabolischer Parameter übersteigen die
Ergebnisse nach herkömmlichen aeroben Trainingsformen im Rahmen der primären
und sekundären kardiologischen Rehabilitation bei Patienten mit CHI bei Weitem. Die
gewählte Trainingsform birgt ein hohes Potential in der Therapie von Patienten mit
Herzinsuffizienz.
 
EMS-Training: Herz und Körper – welche Auswirkungen hat das EMSTraining?
Eine der vielen wissenschaftlichen Studien zum Thema EMS-Training geht gezielt der Frage
nach, wie sich Elektromyostimulation auf herzinsuffiziente Patienten auswirkt.
 
Unter dem Titel „Elektromyostimulation (EMS) bei kardiologischen Patienten. Wird das EMS-Training
bedeutsam für die Sekundärprävention?“ wurde die Studie, die von führenden Experten an
der Herzklinik Bad Oeynhausen durchgeführt wurde, veröffentlicht.
Ziele der Studie – EMS als mögliche Herzinsuffizienz Therapie
Unter Herzinsuffizienz leiden Menschen, deren Herz nicht in der Lage ist, die vom Körper
benötigte Menge an Blut zu pumpen. Durch die mangelnde Pumpfunktion kann es zu einem
Rückstau und Wassereinlagerungen im Körper kommen. Auch Atemnot kann dadurch
ausgelöst werden. Um diesen Symptomen entgegenzuwirken hat sich ein moderates
Ausdauertraining bereits in Tests als wirksam erwiesen.
In der oben genannten Studie sollte beim EMS-Training das Herz speziell betrachtet und
körperliche Veränderungen in verschiedenen Bereichen aufgezeichnet und ausgewertet
werden. Es sollte also geprüft werden, ob sich elektrische Muskelstimulation als
Herzinsuffizienz-Therapie eignet.
Durchführung der Studie – EMS-Training, Herz und Leistungsfähigkeit bei
herzinsuffizienten Patienten im Test
Im Rahmen der Studie trainierten 15 Patienten, bei denen Herzinsuffizienz diagnostiziert
wurde, 6 Monate lang mit einem EMS-Gerät für den ganzen Körper. Die Trainingsimpulse
lagen im Standard-Niedrigimpulsbereich zwischen 80 Hz und 300 μs. Die Impulse und
Pausen erfolgten abwechselnd mit einer Dauer von 4 Sekunden. Diese Einstellungen
werden auch standardmäßig in den meisten EMS-Studios für das Training verwendet. Die
Amplitude konnten die Patienten je nach subjektivem Empfinden der Stromstärke selbst
wählen. Während des Trainings wurden 40-0 Wiederholungen der durchgeführten
Übungen gemacht.
Sowohl vor dem ersten Training als auch nach 3 Monaten sowie nach dem Ende des
Trainingszeitraums nach 6 Monaten wurden die Leistungsfähigkeit des Herzens sowie
Stoffwechsel, Gewicht und Körperfettverteilung gemessen.
Ergebnisse der Studie – EMS-Training, Herz und Leistungsverbesserungen
Die Vergleiche der Testergebnisse vor, während und nach dem Studienzeitraum zeigten
eine Steigerung von bis zu 96% bei der Sauerstoffaufnahme unter der höchstmöglichen
Belastungsintensität, also der anaeroben Schwelle. Außerdem konnte der untere
Blutdruckwert (diastolischer Blutdruck) stark gesenkt werden. Das EMS-Training wirkte
sich auch auf die Muskeln positiv aus: ein Muskelzuwachs von bis zu 14% bei
gleichbleibendem Gewicht konnte bei den Patienten gemessen werden. Es gab während
dieser Studie zu den Auswirkungen von EMS-Training auf Herz und Kreislauf keine
Abbrecher, alle Studienteilnehmer blieben bis zum Ende beim Training dabei. Ein Grund
dafür war auch die deutlich gesteigerte Leistungsfähigkeit, von der die Teilnehmer selbst
berichteten.
Insgesamt zeigt diese Studie, dass EMS-Training für herzinsuffiziente Patienten sehr
geeignet ist, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern und als Therapie bei Herzinsuffizienz
gesehen werden kann. Ebenso unterstützt EMS-Training natürlich auch gesunde Patienten
dabei, etwas für Ihren Körper und Ihre Herzgesundheit zu tun.

Die erste Ausgabe des newsystems – das Fachmagazin für den EMS-Markt hat sich neben
vielen wichtigen und interessanten Themen rund um den EMS-Markt auch dem
Themenbereich „Risiken des EMS-Trainings“ gewidmet.
Wir haben den Artikel zum Anlass genommen, um die Wichtigkeit und die Sorgfalt der
ersten Trainingseinheiten hinsichtlich der Belastung nochmals darzustellen und hierauf
aufmerksam zu machen.
Nachfolgend haben wir den Artikel von Dr. Dr. M. Behringer , Leiter der Abteilung
Muskelforschung der Deutschen Sporthochschule in Köln zusammengefasst:
Die Elektrostimulation (EMS) erfreut sich in den letzten Jahren einer immer größeren
Beliebtheit.
Skeptiker sehen im EMS-Training allerdings eine unnatürliche und damit auch potenziell
gefährliche Trainingsform. Aussagen wie „das kann nicht gesund sein“ hört man häufig in
diesem Zusammenhang. Darüber hinaus wird immer wieder angezweifelt, dass die so
hervorgerufenen Kontraktionen tatsächlich in der Lage sind biopositive
Anpassungserscheinungen hervorzurufen. Ziel dieses Artikels ist es daher einige
Informationen zum Nutzen und Risiko des EMS-Trainings zusammenzutragen.

H I N T E R G R Ü N D E
Die elektrische Stimulation der Muskulatur führt zu einer unwillkürlichen Kontraktion der
aktivierten Muskelfasern. Die zum EMS Training eingesetzten Geräte arbeiten mit Energien,
die so niedrig sind, dass sie für den menschlichen Körper in der Regel ungefährlich sind.
Ausnahmen davon bilden bestimmte Bedingungen, bei denen man aufgrund der fehlenden
Studienergebnisse sicherheitshalber von einem EMS-Training Abstand nehmen sollte. Dazu
gehören unter anderem eine Versorgung mit Herzschrittmacher oder beispielsweise eine
Schwangerschaft.

E M S – I N D U Z I E R T E M U S K E L S C H Ä D I G U N G E N
In der Presse finden sich jedoch immer wieder Berichte von massiven
Muskelschädigungen, die bei vermeintlich gesunden Personen durch ein EMS-Training
ausgelöst wurden und im Krankenhaus behandelt werden mussten, um lebensbedrohliche
Folgeschäden für innere Organe abzuwenden. Insbesondere das akute Nierenversagen
wird in diesem Zusammenhang befürchtet, welches durch die Anflutung von
Muskelzerfallprodukten ausgelöst werden kann. So berichtete beispielsweise im letzten
Jahr Spiegel Online über eine 48-jährige Frau, die nach einem EMS-Training über
Kreislaufprobleme, Herzrasen und Schmerzen in der Brust geklagt hatte (Habich, 2015).
Die Dame war, den Angaben von Spiegel Online zufolge, über mehrere Tage nicht in der
Lage aufzustehen und erhielt im Krankenhaus mehrere Infusionen um Schutz ihrer Nieren.
Diagnose: Rhobdomyolyse – die schädigungsinduzierte Auflösung von Muskelfasern. Wie
ist dieses Risiko einzuschätzen?

M U S K E L S C H Ä D I G U N G S M A R K E R  U N D  D I E  C R U S H – N I E R E
Das Ausmaß einer muskulären Schädigung wird in der Klinik meist indirekt über
sogenannte Muskelschädigungsmarker abgeschätzt. Bei diesen Markern handelt es sich
um Enzyme und andere Proteine, die aufgrund ihrer Molekülgröße das Zellinnere der
Muskelfasern nicht verlassen können. Kommt es jedoch zu einer Schädigung der
Muskelzellmembran, so gelangen diese Stoffe in den Extrazellularraum und von dort
entweder direkt oder über das Lymphsystem in den Blutkreislauf. Das Enzym Kreatinkinase
(Creatin Kinase; CK) gilt dabei als sensitivster Marker einer Rhabdomyolyse. Belastbare
Grenzwerte für die Aktivität von CK im Blut existieren zwar nicht, dennoch versuchen einige
Autoren die Rhabdomyolyse über die Serumaktivität von CK zu definieren. So werden
Werte zwischen 170 IUŸL-1 und 1.700 IUŸL-1 als milde, bis 8.330 IUŸL-1 als moderate
und darüber hinaus als ausgeprägte Rhabdomyolyse bezeichnet. Im oben genannten
Spiegel Online Artikel fanden die Ärzte einen CK Wert von 26.000 IUŸL-1, was damit einer
ausgeprägten Rhabdomyolyse entsprechen würde. Die Gefahr einer Nierenschädigung
geht aber nicht von der CK, sondern von dem ebenfalls freigesetzten Myoglobin aus. Dieses
wird über die Niere ausgeschieden und wirkt in hohen Konzentrationen toxisch auf das
Nierengewebe. Derartige Zusammenhänge sind in der Notfallmedizin bekannt und werden
unter anderem beobachtet, wenn bei Unfällen große Weichteiltraumata entstehen. Der
Klinier spricht bei einer so hervorgerufenen Nierenschädigung von einer sogenannten
Crush-Niere.
Kemmler et al. (Kemmler, Teschler, Bebenek, & Stengel, 2015) widmeten sich in einer
kürzlich veröffentlichten Studie der gesundheitlichen Relevanz hoher
Muskelschädigungsmarker im Blut nach exzessiver Ganzkörper-EMS. Drei bis vier Tage
nach einer 20-minütigen EMS-Einheit (85 Hz; 350 ms; intermittierend, bipolar) fanden die
Forscher CK-Werte von 28.545±33611 IUŸL-1 und eine 40fache Erhöhung der
Myoglobinkonzentration von 68±44 μgŸL-1 auf 2.706±2.194 μgŸL-1 die sich bereits zwei
bis drei Tage nach der Stimulation einstellte. Damit lagen die beobachteten Werte im Blut
sieben Mal höher als die in der Literatur angegebenen toxische Grenzen für Myoglobin,
welche bei 370 μgŸL-1 liegt (El-Abdellati et a., 2013). Trotzdem konnte die Arbeitsgruppe
um Kemmler bei keinem der Probanden Hinweise auf ein akutes Nierenversagen finden.
Wie lässt sich das erklären?
Clarkson et al. (Clarkson, Kearns, Rouzier, Rubin, & Thompson, 2006) beobachteten
vergleichbares nach 50 exzentrischen Kontraktionen der Ellenbogenbeugermuskulatur an
203 Probanden. Trotz massiver CK Erhöhungen von bis zu 80.550 IUŸL-1 und Mb
Kontraktionen von bis zu 3.200 IUŸL-1 fanden die Autoren keine bedeutsamen
Beeinträchtigungen der Nierenfunktion. Auch Sinert et al. (Sinert, Kohl, Rainone, & Scalea,
1994) konnten in den von ihnen untersuchten Patienten mit ausgeprägter Rhabdomyolyse
(40.471±34.295 IUŸL-1) keinen Hinweis auf ein akutes Nierenversagen finden. Das seht
im Gegensatz zu der in der Literatur beschriebenen 17-40 %igen Inzidenz eines akuten
Nierenversagens bei Rhabdomyolysen (Akmal, Valdin, McCarron, & Massry,
1981;Ward,1988). Das könnte darauf hinweisen, dass weitere nephrotoxische Faktoren
vorhanden sein müssen, damit sich die befürchtete Komplikation der Myoglobinerhöhung
ausbildet. Auch wenn diese Daten zeigen, dass selbst massive Erhöhungen der geannten
Muskelschädigungsmarker im Blut ohne gesundheitliche Konsequenzen sein können, bleibt
zu berücksichtigen, dass eventuelle Vorerkrankungen der Kunden im EMS-Fitnessstudio die
Toleranzschwelle der Niere für Mb deutlich herabsetzen kann. Vor diesem Hintergrund
sind derart hohe Markerauslenkungen in jedem Fall aus Sicherheitsgründen zu vermeiden.

D E R „R E P E A D E D B O U T E F F E C T“
Auffällig ist, dass diese hohen Werte meist nur in den ersten Trainingseinheiten erreicht
werden. So konnte auch in der oben genannten Studie von Kemmler et al. (Kemmler et al.,
2015) gezeigt werden, dass eine EMS-Trainingseinheit nach einer 10 wöchigen
Trainingsphase deutlich niedrigere CK Werte hervorruft (906±500 IUŸL-1) als die erste
Einheit (17.575±14.717 IUŸL-1). Das macht einen Unterschied von 16.669 IUŸL-1. Auch
die Myoglobinauslenkung war mit 193±80 μgŸL-1 deutlich niedriger. Man nennt diesen
Effekt den sogenannten „Repeated Bout Effect“, welcher eine Art Schutzmechanismus des
Körpers von weiteren Belastungen beschreibt und sich auch bei anderen Trainingsformen
beobachten lässt. Der Mechanismus des Repeated Bout Effects konnte zwar noch nicht
geklärt werden, es ist jedoch bekannt, dass der Effekt nicht auf die trainierte
Muskelgruppen übertragen wird (Starbuck & Eston, 2012). Daraus lässt sich die
Empfehlung ableiten, dass die Belastung beim EMS-Training auf jeden Fall langsamer
gesteigert werden sollte und mit wenigen Muskelgruppen pro Training bei den ersten
Einheiten begonnen werden sollte.

F A Z I T
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass selbst massive CK- und Mb-Ansteige in der
Literatur beschrieben wurden ohne dass sich negaive Effekte auf die Nierenfunktion
einstellten. Die individuelle Toleranzschwelle der Niere kann jedoch durch bestimmte
Vorerkrankungen der Kunden stark variieren, sodass von Ausbelastungen in den ersten
Trainingseinheiten dringend abzuraten ist. Dies gilt insbesondere für Ganzkörper-EMSAnwendungen.
Der „Repeated Bout Effect“ beschreibt eine Art Gewöhnungseffekt oder
Schutzmechanismus der Muskulatur, der dazu führt, dass bei Folgebelastungen deutlich
geringere Markeranstiege zu verzeichnen sind, wodurch die Niere vor zu hohen Mb-
Konzentrationen geschützt wird. Da der Repeated Bout Effect nicht auf die zuvor belastete
Muskulatur beschränkt ist, sondern systemisch wirkt, ist darüber hinaus zu empfehlen, bei
der ersten Trainingseinheit wenige Muskeln zu stimulieren. Sollten dennoch Symptome, wie
starke Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder eine erhöhte
Herzfrequenz in Folge des EMS-Trainings auftreten oder sich der Urin dunkel färben, so
muss in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden, um schwere Folgeschäden abzuwenden.
Diese Warnung gilt jedoch gleichermaßen für andere ausgeprägte Muskelbelastungen wie
sie beispielsweise bei hochintensivem Krafttraining oder einem Marathonlauf auftreten

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